1. Warum die Lebensmittelkontakt-Zertifizierung für Küchengeräte wichtig ist
Jede Pfanne, jeder Pfannenwender, jedes Backblech und jeder Vorratsbehälter, der mit Lebensmitteln in Berührung kommt, gilt rechtlich als
Lebensmittelkontaktmaterial (FCM) . Sowohl nach US-amerikanischem als auch nach EU-Recht werden FCMs als potenziell indirekte Lebensmittelzusatzstoffe behandelt: Jede Substanz, die aus dem Material in die Lebensmittel übergeht, wird Teil dessen, was Verbraucher aufnehmen. Für Exporteure von Küchengeräten bedeutet dies, dass die Zertifizierung kein Marketing-Luxus ist – sie ist eine zwingende Voraussetzung für den Marktzugang. Nicht konforme Sendungen werden vom Zoll zurückgehalten, von Plattformen wie Amazon, eBay und Temu entfernt und müssen zurückgerufen werden. Im August 2025
warnte die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) vor der
möglichen Bleiabgabe bestimmter importierter Kochgeschirre aus Aluminiumlegierungen und unterstrich damit, wie ernst die Aufsichtsbehörden die Sicherheit von FCMs nehmen.
2. FDA – US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde
| Artikel |
Detail |
| Vollständiger Name |
US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde |
| Anwendbares Recht |
Bundesgesetz über Lebensmittel, Arzneimittel und Kosmetika (FD&C-Gesetz); Titel 21, Teile 170–199 des Code of Federal Regulations (21 CFR) |
| Marke/Logo |
Für Lebensmittelkonformitätszertifikate (FCMs) gibt es kein offizielles FDA-Siegel. Konforme Produkte sind in der Regel mit „FDA-konform“ oder „lebensmittelsicher“ gekennzeichnet, und eine entsprechende Konformitätserklärung ist hinterlegt. |
| Kernbedeutung |
Die FDA reguliert Lebensmittelkontaktmaterialien (FCMs) als indirekte Lebensmittelzusatzstoffe. Jeder Stoff in einem Lebensmittelkontaktartikel muss entweder (a) gemäß 21 CFR als zugelassen aufgeführt sein, (b) Gegenstand einer gültigen Meldung über Lebensmittelkontaktmaterialien (FCN) sein oder (c) allgemein als sicher (GRAS) gelten. Die Einhaltung der Vorschriften erfolgt stoffbezogen und nicht durch eine einzelne Produktzertifizierung. |
| Anwendbare Produkte |
Alle Materialien, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen: Kochgeschirr (Töpfe, Pfannen, Auflaufformen), Küchenutensilien, Besteck, Lebensmittelverpackungen, Aufbewahrungsbehälter, Küchengeräte mit Oberflächen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, und Beschichtungen/Auskleidungen. |
| Wichtige Tests |
Prüfung auf extrahierbare/auslaugbare Stoffe gemäß 21 CFR Part 177 (Polymere), Gesamtmigration, Schwermetallanalyse (Blei, Cadmium) und Melamin-/Formaldehydfreisetzung bei Melamingeschirr. |
Hinweis für Exporteure: Die FDA zertifiziert keine Produkte selbst. Hersteller oder Importeure müssen eine Konformitätserklärung (Declaration of Compliance, DoC) und entsprechende Prüfdaten eines akkreditierten Drittlabors (z. B. SGS, Intertek, TÜV) vorlegen. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde kann diese Dokumente bei der Einfuhr anfordern.
3. LFGB – Deutsches Lebensmittel-, Rohstoff- und Futtermittelgesetzbuch
| Artikel |
Detail |
| Vollständiger Name |
Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch |
| Anwendbares Recht |
LFGB § 30, § 31, § 33 (ehemals LMBG, ersetzt im Jahr 2005) |
| Marke/Logo |
Das Messer-und-Gabel-Symbol (Messer und Gabel) wird häufig auf LFGB-konformen Produkten verwendet, oft in Verbindung mit dem Text „LFGB“ oder „Lebensmittelecht“. |
| Kernbedeutung |
Das LFGB ist das nationale Lebensmittelsicherheitsgesetz Deutschlands und gilt oft als strenger als die FDA-Richtlinien. Es verbietet das Inverkehrbringen von Lebensmittelkontaktmaterialien, die bei normalem oder vorhersehbarem Gebrauch gesundheitsschädlich sind oder zu einer unzulässigen Veränderung der Zusammensetzung, des Geruchs oder des Geschmacks von Lebensmitteln führen können. Entscheidend ist, dass das LFGB einen sensorischen Test vorschreibt – das Material darf weder Geschmack noch Geruch an Lebensmittel abgeben – eine Anforderung, die bei den grundlegenden FDA-Richtlinien nicht besteht. |
| Anwendbare Produkte |
Alle Artikel, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen: Kochgeschirr, Backformen, Besteck, Küchenutensilien, Lebensmittelbehälter, Verpackungen und sogar Küchengeräte (Wasserkocher, Toaster, Fleischwölfe). Auch Kosmetikverpackungen sind eingeschlossen. |
| Wichtige Tests |
Gesamtmigration (OML ≤ 10 mg/dm² oder 60 mg/kg), spezifische Migrationsgrenzen (SML), Schwermetallfreisetzung, sensorische Bewertung (Geschmack/Geruch) und Screening auf Weichmacher (Phthalate). |
Warum LFGB auch außerhalb Deutschlands relevant ist: Obwohl LFGB ein deutsches Bundesgesetz ist, gilt es in der gesamten EU als anerkannter und zuverlässiger Konformitätsstandard. Viele EU-Einkäufer – insbesondere Einzelhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz – fordern explizit LFGB-Prüfberichte. Eine LFGB-Zertifizierung kann den Zugang zum europäischen Markt erheblich vereinfachen.
4. EU-Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 – Europäischer Rahmen
| Artikel |
Detail |
| Vollständiger Name |
Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates über Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen |
| Anwendbares Recht |
EU-Verordnung 1935/2004 (unmittelbar anwendbar in allen 27 EU-Mitgliedstaaten), geändert durch die Verordnung (EU) 2019/1381 (Transparenz) |
| Marke/Logo |
Das Symbol mit Weinglas und Gabel (Anhang II) muss auf Lebensmittelkontaktmaterialien angebracht sein, deren Verwendung für den Lebensmittelkontakt nicht offensichtlich ist (z. B. Küchenutensilien, Geschirr). Es kann mit dem Hinweis „Für Lebensmittelkontakt“ versehen werden. |
| Kernbedeutung |
Dies ist der übergeordnete EU-Rahmen für alle Lebensmittelkontaktmaterialien. Er legt drei Kernprinzipien fest: (1) Inertheit – Materialien dürfen keine Bestandteile in Mengen an Lebensmittel abgeben, die die menschliche Gesundheit gefährden oder unzulässige Veränderungen der Lebensmittelzusammensetzung, des Geruchs oder des Geschmacks verursachen könnten; (2) Gute Herstellungspraxis (GMP) ; (3) Rückverfolgbarkeit und Konformitätserklärung (DoC) in allen Stufen der Lieferkette. Er umfasst 17 Materialkategorien, darunter Kunststoffe, Keramik, Metalle, Glas, Papier und Bambus. |
| Anwendbare Produkte |
Sämtliche Materialien und Gegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen sollen, einschließlich Kochgeschirr, Geschirr, Lebensmittelverpackungen, Küchenutensilien und Verarbeitungsanlagen. |
| Wichtigste Anforderungen |
Obligatorische Konformitätserklärung, vollständige Rückverfolgbarkeit der Lieferkette, GMP-Konformität und materialspezifische Migrationstests. |
4.1 EU 10/2011 – Kunststoffspezifische Verordnung
Für Küchenutensilien aus Kunststoff (z. B. Silikonspatel, PP-Behälter, Melaminteller) sind die detaillierten Regelungen in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 der Kommission (in der geänderten Fassung) festgelegt. Darin heißt es:
- Eine Positivliste zugelassener Monomere und Additive.
- Spezifische Migrationsgrenzwerte (SML) für einzelne Stoffe.
- Ein Gesamtmigrationsgrenzwert (OML) von 10 mg Substanzen pro dm² Lebensmittelkontaktfläche (oder 60 mg/kg Lebensmittelsimulanz).
- Regelungen zu Bisphenol A (BPA) – in Babyflaschen verboten und in anderen Kunststoffen Migrationsgrenzwerten unterworfen.
5. Zusätzliche Punkte und nationale Anforderungen
Kalifornischer Gesetzesvorschlag 65 (USA)
Proposition 65 ist zwar keine Zertifizierung für Lebensmittelkontakt im eigentlichen Sinne, schreibt aber vor, dass in Kalifornien verkaufte Produkte mit einem Warnhinweis versehen sein müssen, wenn sie Verbraucher gelisteten Chemikalien (z. B. Blei, Cadmium, BPA) oberhalb bestimmter Grenzwerte aussetzen. Kochgeschirr aus Keramik und Metall ist häufig betroffen. Verstöße können erhebliche Strafen und Zivilklagen nach sich ziehen.
DGCCRF (Frankreich)
Die französische Direction Générale de la Concurrence, de la Consommation et de la Répression des Fraudes (DGCCRF) setzt die Sicherheit beim Kontakt mit Lebensmitteln gemäß dem nationalen Dekret 2004-64 durch. Es stellt spezifische Anforderungen an bestimmte Materialien (z. B. Edelstahl, Aluminium, Silikon) und ist für eine strenge Marktüberwachung bekannt.
CE-Kennzeichnung – Wichtige Klarstellung
Die CE -Kennzeichnung ist keine Zertifizierung für Lebensmittelsicherheit. Sie gilt für Produktkategorien, die unter die EU-Richtlinien des „Neuen Konzepts“ fallen (z. B. elektrische Geräte gemäß der Niederspannungsrichtlinie, Spielzeug). Für elektrische Küchengeräte (Mixer, Wasserkocher) ist die CE-Kennzeichnung zwar für die elektrische Sicherheit und die EMV-Konformität erforderlich, sie belegt jedoch nicht die Lebensmittelsicherheit – diese muss separat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 und den materialspezifischen Vorschriften nachgewiesen werden.

6. Vergleich von FDA, LFGB und EU-Verordnung 1935/2004
| Dimension |
FDA (USA) |
LFGB (Deutschland) |
EU 1935/2004 |
| Rechtlicher Anwendungsbereich |
Bundesweit, nur USA |
National, Deutschland |
EU-weit, 27 Mitgliedstaaten |
| Ansatz |
Stoffbezogene Zulassung (21 CFR Positivlisten + FCN + GRAS) |
Nationales Sicherheitsgesetz + sensorische Prüfung |
Rahmenregulierung + materialspezifische Maßnahmen |
| Sensorischer Test |
Nicht erforderlich |
Erforderlich (Geschmacks-/Geruchsübertragung) |
Erforderlich (unzulässige Geruchs-/Geschmacksveränderungen verboten) |
| Schlüsseldokument |
DoC + Testberichte |
LFGB-Prüfbericht (oft mit Messer-und-Gabel-Zeichen) |
Konformitätserklärung + Rückverfolgbarkeitsaufzeichnungen |
| Migrationsbeschränkungen |
Materialspezifische Extraktionsgrenzen |
OML 10 mg/dm²; SML pro Substanz |
OML 10 mg/dm²; SML pro Stoff (EU 10/2011 für Kunststoffe) |
| Gängige Produkte |
Alle FCMs |
Alle FCMs (insbesondere Kochgeschirr/Geschirr) |
Alle FCMs |
7. Praktische Schritte für Exporteure von Küchengeräten
- Zielmärkte identifizieren – In den USA ist die Einhaltung der FDA-Vorschriften erforderlich; in der EU gelten die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 sowie materialspezifische Vorschriften; in Deutschland kommt oft noch das LFGB hinzu.
- Materiallistenprüfung – Alle Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen (Beschichtung, Trägermaterial, Klebstoff, Dichtung), müssen erfasst werden. Jedes Material muss den Vorschriften entsprechen.
- Wählen Sie ein akkreditiertes Labor – nach ISO 17025 zertifizierte Labore (SGS, TÜV Rheinland, Intertek, Bureau Veritas) stellen international anerkannte Gutachten aus.
- Führen Sie Migrationstests durch – Verwenden Sie geeignete Lebensmittelsimulanzien (Wasser, 3% Essigsäure, 10% Ethanol, Olivenöl/Pflanzenöl) je nach Art des Lebensmittels, mit dem das Produkt in Kontakt kommen wird.
- Erstellen Sie die Konformitätserklärung (Declaration of Compliance, DoC) – erforderlich für die Einreise in die USA und die EU; darin müssen die geltenden Vorschriften, die Testergebnisse und der verantwortliche Betreiber aufgeführt werden.
- Korrekte Kennzeichnung anwenden — EU: Weinglas-und-Gabel-Symbol + „für Lebensmittelkontakt“, falls erforderlich; LFGB: Messer-und-Gabel-Kennzeichnung; USA: „FDA-konform“ / „Lebensmittelsicher“ (vermeiden Sie den Eindruck einer FDA-Zustimmung).
- Gewährleisten Sie die Rückverfolgbarkeit – Bewahren Sie Chargenprotokolle, Lieferantenerklärungen und Testberichte mindestens für die Haltbarkeitsdauer des Produkts plus mehrere Jahre auf.
8. Schlussfolgerung
Die Zertifizierung für Lebensmittelkontakt ist die Grundlage des internationalen Handels mit Küchenartikeln. Die FDA- Richtlinien regeln den Marktzugang in den USA durch die Zulassung von Substanzen gemäß 21 CFR. Das LFGB legt den strengeren deutschen nationalen Standard fest, der unter anderem obligatorische sensorische Prüfungen umfasst. Die EU-Verordnung 1935/2004 bildet den harmonisierten europäischen Rahmen, ergänzt durch materialspezifische Vorschriften wie die EU-Verordnung 10/2011 für Kunststoffe. Die Kenntnis der Kennzeichnungen – des FDA-konformen Labels, des LFGB-Messer-und-Gabel-Symbols und des EU-Weinglas-und-Gabel-Symbols – in Kombination mit strengen Migrationsprüfungen und einer gültigen Konformitätserklärung ist der sicherste Weg, die Zollabfertigung zu gewährleisten, Einzelhändler zufriedenzustellen und Verbraucher zu schützen. Für Exporteure ist die Investition in akkreditierte Prüfungen im Vorfeld deutlich kostengünstiger als die Verzögerung einer Sendung im Hafen oder der Rückruf eines Produkts.